Von Turm zu Turm - Mit dem Fahrrad unterwegs

Zurück zur Übersicht

Aromatischer Kräuterduft liegt in der Luft. Mal wieder. Wir stehen auf der Anhöhe zwischen Schönhagen und Stangenhagen und blicken auf den Blankensee hinab. Am Horizont flimmert die Hitze, auf der glitzernden Wasseroberfläche des Sees sind in der Ferne einige Vögel zu erkennen. Im Herbst bietet sich ein ganz anderes Bild. Dann lassen sich hier Tausende von Zugvögeln nieder und nutzen den flachen See als idealen Rast- und Nahrungsplatz auf ihrem Weg gen Süden. Jetzt im Frühjahr sind die Vögel im breiten, durchgehenden Schilfgürtel des unter Naturschutz stehenden Gewässers gut versteckt und kümmern sich um ihren Nachwuchs. Doch die Idylle ist trügerisch. Der See kämpft immer noch mit den Hinterlassenschaften aus DDR-Zeit, als dem Gewässer durch die hohen Phosphor- und Nitratmengen aus der angrenzenden Landwirtschaft im wahrsten Sinne des Wortes die Luft ausging.


Heutzutage ist die gesamte Nuthe-Nieplitz-Niederung streng geschütztes Naturschutzgebiet, Naturpark und europaweit wichtiges NATURA 2000-Gebiet. Und genau das macht den Reiz dieser Landschaft aus. Hier, zwischen Nuthe und Nieplitz, erstreckt sich eine abwechslungsreiche Landschaft mit feuchten Wiesen, sumpfigen Niederungen, flachen Seen und Bewässerungskanälen, die nur sehr wenig besiedelt ist. Genau davon profitieren viele Radfahrer, Wanderer und Erholungssuchende vornehmlich ausdem Ballungsraum Berlin-Potsdam,die Stille, Natur und Erholung suchen.


Da ist unsere kleine Radfahrer-Gruppe keine Ausnahme. Unter fachkundiger Führung von Klaus Conrad machen wir uns an diesem Samstag mit den Besonderheiten des Naturparks vertraut. Start unserer Halbtagestour ist der Bahnhof in Trebbin, dann geht es unerwartet steil hinauf zum Aussichtsturm auf dem Löwendorfer Berg, mit 103 m üNN die höchste Erhebung weit und breit. Vom Turm geht der Blick über den Naturpark bis hin nach Potsdam und Berlin-Mitte.


Unweit entfernt am Fuße der Glauer Berge liegt die kleine Friedensstadt Weißenberg. Diese Siedlung hat kulturhistorischen Wert, ihre Geschichte ist einzigartig, aber nicht ohne eine gewisse Bitterkeit. Angelegt Ende 1920 als religiöse Siedlung durch den Gründer der Johannischen Kirche Joseph Weißenberg, diente der Ort als Zufluchtsstätte vor allem für vom Weltkrieg traumatisierte Menschen. Doch die Nationalsozialisten enteigneten die Kirche und richteten auf deren ehemaligen Siedlungsgebiet eine Außenstelle des KZ Sachsenhausen ein. Die russische Armee machte dem Spuk ein Ende, okkupierte aber selbst das gesamte Gebiet als Garnisonsstadt. Dies blieb die Friedenstadt bis zum Abzug der Truppen im Jahr 1994. Zurück blieben heruntergewirtschaftete Gebäude, Militärunterstände sowie der Truppenübungsplatz Glau. Die Johannische Kirche erhielt wenig später den gesamten Besitz zurück und
engagiert sich seitdem für die Bewahrung und die sorgsame Entwicklung der Stadt im Sinne ihres einstigen Gründers.


Und schon geht’s weiterauf unserer Tour. Immer wieder schafft es unser Tourenleiter, uns mit Unerwartetem zu überraschen. So imDorf Stangenhagen, das einst einekursächsische Enklave in Preußen war. Oder am nahe gelegenen Schwanenteich mit seinem Vogelbeobachtungsturm, wo wir lautstark von Gequake unzähliger Frösche empfangen werden. Selbst frische Biberspuren am Pfefferfließ bekommen wir zu Gesicht, bevor wir dann im kleinen Ort Blankensee dem Herrschaftshaus mit seiner sehenswerten Parkanlage einen kurzen Besuch abstatten.


Als wir uns schon langsam auf das Ende der Radtour vorbereiten, erwartet uns noch ein weiterer Höhepunkt der Tour. Wir betreten den Bohlensteg am Blankensee. Bei herrlichster Nachmittagssonne blicken wir über die Wasserfläche samt Röhricht- und Schilfgürtel und werden eins mit der umgebenden Natur. Unseren Schlusspunkt bildet das 160 ha große Wildgehege Glauer Tal mit Mufflons, Dam und Rotwild. Kaum zu glauben, dass dieses Gebiet lange Zeit der ehemalige Truppenübungsplatz der Panzergarnison aus der Friedensstadt war. Im angrenzenden NaturParkZentrum lassen wir bei Limo und Kuchen die Tour Revue passieren. Schön war’s. Wir kommen wieder.

Lutz-Wolfram Reiter, Ö GRAFIK
Beitrag aus der Land ins Sicht 2018, die komplette Ausgabe erhalten Sie im NaturParkZentrum am Wildgehege Glauer Tal

Die nächste Radtour "Von Turm zu Turm" bietet Klaus Conrad am 11. Mai an.
Wer die Tour selbständig mit dem Rad erleben möchte, kann hier den Touren-Flyer "Von Turm zu Turm" einsehen.

NaturParkZentrum am Wildgehege Glauer Tal

Glauer Tal 1
14959 Trebbin OT Blankensee
Tel.: 033731/ 700 460 Fax: 033731 / 700 461
Mail: mail@besucherzentrum-glau.de

Anfahrt:
Hier finden Sie Details für Ihre Anreise.

Öffnungszeiten:
täglich von 10-17 Uhr
letzter Einlass ins Wildgehege 16 Uhr (November-Februar)

Eintritt ins Wildgehege
erfolgt über das NaturParkZentrum

Erwachsene: 4 Euro
Ermäßigt: 1,50 Euro
Hund: 1 Euro
Rabatt mit: Familienpass oder
Trebbin Card

Hier geht es zu unseren Angeboten.

Regionalladen im NaturParkZentrum
Öffnungszeiten: tägl. 10-17 Uhr

Café am Wildgehege
Öffnungszeiten: Sa., So. und Feiertage 11.30-17 Uhr
(bei Regenwetter geschlossen)

   

Öffentliche Toiletten