Getrocknet und gerollt – aber was ist wirklich drin?

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Nasse Moorflächen oder Sandtrockenrasen – extreme Standortverhältnisse und dazu noch extreme Wetterlagen erschweren das Wirtschaften im Naturschutzgebiet. Aber wie wirken die verschiedenen Einflüsse auf die Futterqualität?

Das Erntejahr nimmt seinen Lauf und neben Spargel und Erdbeeren für die Zweibeiner, verfolgt der Landwirt im Frühjahr, mit Sorge um seine Heuernte, immer häufiger das viel zu warme und trockene Wetter. In den letzten Jahren war der Klimawandel auch bei uns deutlich spürbar und hat uns Landwirten Einbußen bei der Heuernte von rund einem Zehntel der Gesamtmenge beschert.

So ist es nur verständlich, dass bei abnehmender Erntemenge an Heu noch einmal mehr auf gute Qualität geachtet wird. Neben dem Eigenverbrauch wollen rund 20 Betriebe ihr Erzeugnis auch an kleine private Pferdehalter oder auch an größere Reitanlagen, möglichst wegsparend in direkter Nähe verkaufen. Diese Betriebe liegen im Naturschutzgebiet Nuthe-Nieplitz-Niederung und bewirtschaften unterschiedliches Grünland extensiv – teilweise auf Extremstandorten und mit klaren Auflagen die eine Düngung verbieten und die zum Schutz von Bodenbrütern erst nach dem 15. Juni gemäht werden dürfen. Das macht die Ernte oft zusätzlich zu den sich verändernden Wetterbedingungen schwierig.

Pferde haben zudem einen deutlich höheren Anspruch an die Raufutterqualität als Rinder und Schafe – Zumengungen durch Sand und Pilzsporen aber auch Giftpflanzen führen häufig zu chronischen Erkrankungen wie COPD (Chronisch obstruktive Bronchitis – meist ausgelöst durch Pilzsporen) oder Koliken (in diesem Fall durch Beimengung von Sand oder Giftpflanzen).

Aus diesem Anspruch ergibt sich zwingend ein umsichtiges Handling der Verkaufsware Gras beziehungsweise Heu, dem die Landwirte in der Region – wie neueste Untersuchungen des Schnittgrases am Institut für Tierernährung an der Freien Universität Berlin ergaben – umfassend folgen.

Dazu gehört auf der Produktionsseite das korrekte und relativ hohe Einstellen des Mähwerkes, um im Schnitt möglichst wenig Sand mit aufzunehmen, das Meiden von Flächen auf denen – deutlich sichtbar – Giftpflanzen wie Jakobskreuzkraut oder Graukresse wachsen, aber auch das nicht zu feste Pressen der Ballen, um ein weiteres Abtrocknen im Inneren der Ballen zu gewährleisten.

Die von einigen Pferdehaltern bemängelte Strukturverarmung der Gräser konnten die Wissenschaftler bei ihren Untersuchungen von Heuproben aus ganz unterschiedlichen Standorten (Niedermoor/Trockenflächen) nicht bestätigen. Es konnte kein offensichtlicher Besatz mit Giftpflanzen festgestellt werden. Als hauptbestandsbildende Gräser wurden Wiesenrispe, Knaulgras, Weidelgras, Wiesenlieschgras und Glatthafer identifiziert. Zudem wurde ein leichter Besatz mit Spitzwegerich und Sauerampfer festgestellt. Auch die Analyse der Inhaltsstoffe ergab ein ausgezeichnetes Ergebnis. Lediglich Spurenelemente wie Zink und Selen sind in den getesteten Schnittgütern als zu gering und damit substituierungswürdig eingestuft. Das heißt hier müssen Mineralzusätze zugefüttert werden, um den Bedarf zu decken.

Dennoch nehmen aus tierärztlicher Sicht besonders Lungenerkrankungen bei Pferden in unserer Region drastisch zu. Eine Ursache mag in der oft nicht korrekten Einlagerung der doch großen Heuballen mit 260 bis 350 Kg liegen, die oft unter Planen und damit nicht genügend belüftet, draußen – und damit häufig zu feucht – gelagert werden. Besonders zum Ende der Heufütterungssaison sind diese Ballen äußerlich nicht immer sichtbar stark mit Pilzsporen besetzt.

Hingegen ist beziehungsweise wäre ein größerer Anteil an kohlenhydratärmeren Gräsern sogar wünschenswert, denn drei Viertel aller in unserer Region extensiv – zumindest in den Sommermonaten auf den Weideflächen – gehaltenen Pferde sind deutlich zu dick. Auch dies führt unter anderem zu Folgeerkrankungen wie Hufrehe oder anderen metabolischen Erkrankungen.

In den Proben wurde ein relativ hoher Rohfasergehalt festgestellt, während Rohasche, Rohprotein und Rohfettgehalte unter den Orientierungswerten lagen. Im Gegensatz zu den Weidepferden wäre hier bei Zucht- und Sportpferden eine Energie- und Proteinergänzung in Form von Kraftfutter anzudenken.

Bei den Mengen- und Spurenelementen sind mit Ausnahme von Natrium und Kalium die Gehalte insgesamt niedriger. Dies betrifft vor allem die Spurenelemente Kupfer, Zink und Selen. Ein Ergebnis, das sich auch in Kontrolluntersuchungen des Blutes von Pferden widerspiegelt. Besonders in Hinblick auf Zink und Selen muss hier in jedem Falle kontrolliert substituiert werden.

Fazit: Die zunehmende Strukturvielfalt nach der Umstellung von intensiver auf extensive Grünlandnutzung ist auch im Ernteprodukt Heu erkennbar. Die teilweise schwierigen Standortverhältnisse erfordern von den Landwirten die angepasste Bewirtschaftung dieser Flächen. Das Ergebnis der Untersuchungen zeigt, dass es bei professioneller und umsichtiger Handhabung durch die Landwirte möglich ist, auch unter den Verhältnissen im Naturschutzgebiet Heu in guter Qualität zu produzieren. Wichtig ist zu bemerken, dass mindestens die Hälfte der Heuqualität am Ende eines Jahres von seiner korrekten, das heißt der trockenen und belüfteten Lagerung abhängt. Die Verantwortung liegt also zum großen Teil bei den Endverbrauchern.


Dr. Heike Großklaus, Landwirtin, Tierärztin, 2. stellvertretende Vorsitzende des Landschafts-Fördervereins Nuthe- Nieplitz-Niederung e. V.
Beitrag aus der Land ins Sicht 2018, die komplette Ausgabe erhalten Sie im NaturParkZentrum am Wildgehege Glauer Tal oder als Download.

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